Revolution

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Fritz Litzmann, alias Rainer Pause | Foto Melanie Grande

Der 3. März 1848 ging als Tag des Barrikadenbaus am Alter Markt in Köln in die Annalen der rheinischen Revolutionsgeschichte ein. Es war ein Freitag, aber kein gewöhnlicher, sondern Karnevalsfreitag, der Tag zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag.

Ein Datum, das den Alterspräsidenten des Heimatvereins Rhenania, Fritz Litzmann (alias Rainer Pause), zu einer Betrachtung über die Frage anregt, warum Revolution im Rheinland immer an Karneval stattfindet, eine philosophische Frage: „Die Menschen in aller Welt träumen und träumen und fallen dann in die harte Realität zurück. Wir aber hier im Rheinland, wir ertragen die kurze harte Fastenzeit und fallen anschließend in unseren Traum zurück. Und wenn wir da gestört werden, dann können wir unangenehm werden. Also können. Müssen nicht. Denn warum sollen wir uns auf Dauer mit jemand anlegen, mit dem wir noch eine schöne Session verbringen wollen? Wie soll ich sagen? Also: In Bonn war doch jahrzehntelang das Oberbürgermeisteramt quasi erblich, also im Familienbesitz. Den Bürgermeister hat man vielleicht gewählt, irgendwo ein Kreuzchen gemacht. Das Entscheidende war nur, jedes Jahr musste und wurde auch immer wieder eine neue Bonna und ein neuer Prinz gewählt. Darauf kam es an! Jeder weiß doch, auf den Verein kommt es an, man macht doch die Geschäfte nicht auf dem freien Markt, sondern im Verein. Und wenn im Verein was schief läuft, dann kann ich Euch sagen.

Ich will mal abkürzen: Unter den Festwagen im Zug hat es mehr Tote gegeben als in der gesamten Revolution von 1848. Die Festwagen, das sind die Barrikaden, an denen man gekämpft hat. Damit hat man der Obrigkeit gezeigt, wo es langgeht. Gut, manchmal sind natürlich die Festwagen auch wirklich Barrikaden. Also wer den Bonner Zugweg kennt, da bleibt natürlich schon mal der Festwagen stecken. Aber da kann ich sagen, da wird so lange gekämpft an dieser Barrikade, bis der Weg wieder frei ist. Aber an den Barrikaden 1848, was soll man da kämpfen, es reicht doch, wenn man sie gebaut hat. Da hat man doch schon der Obrigkeit gezeigt ‚Pass up‘! Wir könnten, wenn wir wollten! Ich kann, wenn ich will! Ich nenn‘ das mal die ‚Kann’sche Philosophie‘, ohne ‚t‘. Ich kann, aber ich will nicht! Und das wurde seinerzeit beim Gastwirt Kann diskutiert. Das war das Szenenlokal in Bonn. Da haben die Leute zusammengesessen, wo später die Kaufhalle war. Und die Kaufhalle hat im Grunde dieser Philosophie ein Denkmal gesetzt, nach dem Motto: ‚Was sollen wir Revolution machen, wenn wir’s auch billiger haben können‘.“
Martin Stankowski


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