MILITÄR | KARNEVAL

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Die Blauen Funken

Preußen übernahm nach dem Wiener Kongress die Verteidigung der Westgrenze Deutschlands. In diesem Zusammenhang erließ der König Friedrich Wilhelm III. am 11. März 1815 die „Order zur Neubefestigung der Stadt Coblenz und der Festung Ehrenbreitstein“. In den folgenden Jahren entstand die Festung Koblenz, eines der umfangreichsten Festungssysteme Europas, gebaut nach modernsten Erkenntnissen. Ausgehend vom Beschluss, die Rheinlinie militärisch zu stärken, baute der preußische Staat zunächst bestehende Militärstandorte, wie die in Koblenz, Köln oder Wesel aus, gründete aber auch neue mit Magazinen und Kasernen.  

Vielfältige Niederschläge fand das Militär dann im Karneval. Auch wenn die Geschichte des Kölner Karnevals - wie wir ihn heute kennen - mit der napoleonischen Besatzung begonnen hatte, waren es die Preußen, die den Karneval nach einer grundlegenden Reform wieder auflebten. Seit 1822 trafen sich einige angesehene Kölner Bürger regelmäßig, um den "in ganz Teutschland einstens so berühmten kölnischen Carneval zu erneuern“ und luden für Anfang 1823 zu einer ersten Generalversammlung des "Festordnenden Komitees" heute "Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V." ein.

Im selben Jahr gab es zum ersten Mal einen Rosenmontagszug. Die preußische Haltung zum Kölner Karneval war immer wechselvoll: Die 1825 erstmals erscheinende Karnevalszeitung hatte häufig unter der preußischen Pressezensur zu leiden und fiel ihr wie 1830 auch das "Festordnende Komitee" selbst zum Opfer. Friedrich Wilhelm III. war jedoch klug genug, das Komitee durch "Allerhöchste Order" in seine alten Rechte einzusetzen und unter den Gästen der "Generalversammlungen" fanden sich regelmäßig preußische Prinzen und andere preußische Honoratioren. So war es auch niemand geringerer als General Freiherr von Czettritz, der am 14. Januar 1827 die Devise ausgab "gleiche Brüder, gleiche Kappen" und damit die seitdem obligatorischen Narrenkappe einführte. Die Kappen sollten auch Missbilligung und Persiflage militärischen Gehabes und Pompes sein, eine Auflehnung gegenüber den Preußen. Gardeuniform und Holzgewehr, Tanzmariechen und Tanzoffizier und die närrisch-gelockerte Disziplin der Garden, aber auch Orden und Ehrenzeichen sind Anleihen an die martialische Zeit.

Die Zensur des Karnevals löste die befürchtete Politisierung erst aus, die Karnevalskomites wurden zur Plattform für eine sich zunehmend radikalisierende verdeckte Opposition gegen den preußischen Obrigkeitsstaat. Folgerichtig gehörten 1848 die führenden Karnevalisten zu den Revolutionären aus dem Rheinland. Doch auch der Karneval blieb nicht auf Dauer antipreußisch. Das beste Beispiel dafür sind die 1870 in Köln gegründeten "Blauen Funken", die sich in ihrem Auftreten bewusst an der Feldartillerie Friedrichs des Großen orientierten – und damit die Preußenbegeisterung am Vorabend der Gründung des Deutschen Reiches von 1871 verkörperten.

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